Alte Hutweiden

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Viehzucht und Viehhaltung spielte ehemals auch in den weinbaugeprägten Gemeinden des Kamptales eine große Rolle. Auf den für den Weinbau weniger ertragreichen und schlecht zu bearbeitenden Hängen gab es weit verbreitet Hutweiden. Aufzeichnungen in den Steuererklärungen um 1751 belegen das Vorhandensein von Gemeindeweiden durch den Vermerk "genüsset die gemain weidt" bei den "unteränigen" Häusern. Während der Vegetationsperiode trieb der Halter täglich das Vieh auf die Gemeindeweide. Er wohnte im Viehhirtenhaus, das der Gemeinde gehörte. Der Halter – also Hirte – war sozusagen im Auftrag der Gemeinde angestellt.

Der herrschaftliche Meierhof in Schönberg betrieb jahrhundertelang Schafzucht. Die Schönberger Pfarrmatrik führt während des Dreißigjährigen Kriegs eine Reihe von Schafhirten und „Schofmaistern“ an. In den Urkunden des Grafenegger Schloßarchivs wird der Schönberger Maierhof erwähnt, in dem es bis um 1800 Schäfer und Schafstallungen gab. 1821 wurde eine neue Schafmeister- und Jägerwohnung erbaut und in einem mit 1839 datiertem Vertrag wird auch der „Grafenegger Schafhof“ erwähnt.
Im Schönberger Heimatbuch werden der Viehhaltung nachteilige Auswirkungen auf den Baumbestand des Manhartsberges nachgesagt und die kahlen Hänge des Manhartsberges werden als Folge der früheren Schafzucht angeführt. In den Jahren nach 1834 soll sich die Zahl der Weidetiere, die von der Neustifter Grenze bis zur Feldflur des Dorfes Stiefern aufgetrieben wurden, auf 700 bis 800 Stück belaufen haben!
 
„Man möchte dem westseitigen Abfall des Manhartsberges zwischen Schönberg und Zöbing stellenweise etwas mehr und dichteren Wald wünschen. Hier war auch einst ein größerer Waldbestand. Aber die Schafe der Grafenegger Herrschaft haben während ungezählter Jahre die aufkeimenden Maiße und Jungwälder abgefressen“.
 
Das Land stand in Besitz der Grafenegger Herrschaft. Die ortsansässigen Hauer versuchten sich gegen die Beweidung zu wehren und es kam zu Ausschreitungen gegen den Hirten. Bei einem Prozess im Jahr 1851 verwies die Herrschaft jedoch auf die jahrhundertelange Gepflogenheit, die noch bis 1890 beibehalten wurde.
Rege Aufforstungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts ließen die Hutweiden im unteren Kamptal schrumpfen. So wurden z. B. 1890 im Schönberger Gebiet die „öden“ Hutweiden bepflanzt und in Plank der Striezelberg aufgeforstet. Reste der ehemaligen Hutweiden sind heute nur noch als kleine meist stark von weiterer Verbuschung und Verwaldung bedrohte Flächen an manchen Kuppen und Rücken an den Abhängen ins Kamptal zu sehen.

 

Quelle: Filsmaier (1974): Heimatbuch der Kamptalgemeinde Schönberg; Filsmaier (1993/1994): Land am Manhart.

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